Reise-Blog – Südengland, August 2016

Südengland, August 2016

Individualreise: Eigenanreise + Fährüberfahrt + Unterkünfte

Bis zum Fährhafen Calais in Frankreich haben wir bereits fast 900 km zurückgelegt. Gut dass wir rechtzeitig dran sind, denn die sehr verschärften Zollkontrollen führen zu einem Rückstau im Hafen, der locker zwei Stunden Wartezeit mit sich bringt, ehe wir uns zur Schiffsverladung einreihen dürfen. Dafür lacht bei der Überfahrt die Sonne und die P&O Fähre bringt uns den weißen Klippen von Dover schnell näher.

Südengland steht auf dem Programm und wir sind schon gespannt auf den Linksverkehr, das englische Essen, die höflichen Engländer und darauf, was es mit dem Englischen Wetter auf sich hat.

Wir werden in jeglicher Hinsicht überrascht – positiv überrascht. Von einem einzigen Tag Nieselregen abgesehen scheint in unseren zwei Wochen fast täglich die Sonne und das Thermometer zeigt immer über 20 Grad. Auf den Straßen freundliche, verständnisvolle Engländer. Und unglaublich viel zusehen!

Leeds Castle

Wir beginnen unsere Erkundungstour am nächsten Morgen mit Leeds Castle, einem Wasserschloss mit allem Drum und Dran. Parkanlagen mit Pfauen, ein liebevoll angelegter Irrgarten, prächtige Räumlichkeiten mit altem Mobiliar, Falkenshow, der typisch englische Garten mit vielen Pflanzen und Palmen, große Rasenanlagen für die Picknickdecken, dazu spielt die Polizeikapelle, und zwischendrin immer wieder englisches Theater auf dem Rasen.Außer uns hat scheinbar jeder seine Picknickdecke dabei und sitzt entspannt unter großen Bäumen auf dem Rasen!

London

Abends fahren wir voller schöner Eindrücke in unser Domizil im Großraum London. Zwei Tage London stehen uns bevor und mit Travelcard und London Card im Gepäck ziehen wir am nächsten Morgen los. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt. Mit der Travelcard können wir unbegrenzt Bus und Tube (die U-Bahn) fahren und die London Card enthält zahlreiche Eintritte in Londoner Sehenswürdigkeiten inkl. Warteschlangenumgehung. Wir schaffen eine ganze Menge in zwei Tagen: den Tower, die Towerbridge mit herrlicher Aussicht von ganz oben, eine Schifffahrt auf der Themse, Big Ben, the Houses of Parliament, Westminster Abbey um 17.00 Uhr zum kostenfreien Evensong (halbstündige Andacht umrahmt vom Chor; aktuelle Zeiten werden im Internet veröffentlicht), und morgens haben wir uns gleich noch Karten für das abendliche Musical organisiert. Und um abends den ganzen Weg zurück in unseren Vorort zu vermeiden, wartet eine Unterkunft nahe der Oxford Street auf uns. Top zentral gelegen, mit internationalem Flair und sehr sauber sind es von hier nur einige Schritte bis zu den Musicaltheatern.

Ich staune über die Stadt und die äußerst saubere, alle paar Minuten fahrende U-Bahn. Den nächsten Morgen beginnen wir mit einem Stadtbummel und Besuch des M&M Stores. Die Kinder sind begeistert! Anschließend spazieren wir an den Löwen am Trafalgar Square vorbei und weiter bis zum Royal Court of Justice und der Temple Church. Dan Brown Fans werden ihre Freude haben!

Das Museumsviertel ist leider so überlaufen, dass wir uns kurzfristig um entscheiden und für eine Führung durch die Royal Albert Hall anmelden. Das wiederum ist absolut empfehlenswert. Noch dazu wird gerade geprobt für die „Night of the Proms“. Danach setzen wir uns in den Hop-on-hop-of Bus und stehen eine geschlagene Stunde vor dem Einkaufscenter „Harrods“ im Stau. Also doch lieber zu Fuß weiter. Interessant war es trotzdem zu beobachten, wer hier so ein und aus geht. Nach Buckingham Palace und St. James Park streiken nun langsam die Füße und so wir machen uns auf den Rückweg.

Warner Bros Studios

Im Nordwesten Londons erwarten uns am nächsten Tag die Warner Bros Film-Studios mit „The making of Harry Potter“. Nachdem beim Dreh der ersten Teile des Films noch nicht klar war, wie die Geschichte enden würde, behielt man alle Requisiten, falls diese nochmals benötigt werden sollten. Dadurch sammelten sich so viele Originalteile an, dass die Filmemacher am Ende beschlossen, eine Art Museum zu eröffnen. Der Hogwarts Saal in Originalgröße, die Winkelgasse, viele Infos zum „Making of“ sowie Stationen zum Mitmachen verschaffen uns einen sehr kurzweiligen Nachmittag. Nicht nur die Kinder sind begeistert. Aufgrund der großen Beliebtheit unbedingt vorbuchen.

Brighton & Seven Sisters

Den Verkehr um Brighton haben wir unterschätzt, auch das Buchungsaufkommen im August. Alles komplett ausgebucht. So bleibt es bei einer Wanderung entlang der weißen Steilklippen „Seven Sisters“ und wir müssen Brighton auf ein anderes Mal verschieben. Kurz vor Portsmouth finden wir ein ruhiges Nachtquartier und entspannen erst mal.

Portsmouth

Wir bleiben gleich zwei Nächte, haben aus den Erfahrungen vom Vortag gelernt und fahren entspannt mit dem Zug in die Stadt. Der Portsmouth Historic Dockyard steht auf dem Programm mit zahlreichen hervorragend renovierten alten Segelschiffen der englischen Marine. Unter Deck hängen Hunderte von Hängematten, dazwischen zahlreiche Kanonen, die Bordküche, in der früher mit offenem Feuer gekocht wurde, ... alles sehr liebevoll restauriert. Dazu die Geschichten des Museumsmitarbeiters, ... wir merken fast nicht, dass es heute den ganzen Tag nieselt. Für Kinder gibt es anschließend auf dem Gelände noch ein tolles Indoorhaus zum Klettern und für Geschicklichkeitsspiele.Wie günstig, dass genau neben dem Bahnhof ein großes Einkaufszentrum liegt, das jetzt noch etwas zum Bummeln einlädt.

Jurassic Coast

Es zieht uns wieder in die Natur und weiter gen Westen. West Lulworth, ein kleines Dorf mit reetgedeckten Dächern ist der Ausgangspunkt zu einer Wanderung entlang der Küste zur Durdle door. Die von Wasser umspülte Steinbrücke ist ein äußerst beliebtes Fotomotiv und der Ausblick auf die kilometerlangen hohen weißen Klippen ist traumhaft schön. Das Meer donnert in riesigen Wellen bei fast 8 BF Wind an die Küste. Ein echtes Spektakel! Gut durchgelüftet schauen wir uns im Anschluss noch das kleine Museum am Parkplatz an, welches die große Vergangenheit der Region „Jura-Küste“ erahnen lässt. Doch wir wollen selbst Hand anlegen und eine geführte „Fossil Tour“ unternehmen.

Charmouth ist hierfür der richtige Spot. Doch leider auch hier – wie so oft im August – alles auf Tage hin ausgebucht. Etwas frustriert spazieren wir an der Küste entlang und kommen durch Zufall mit einem deutschen Geologen ins Gespräch. Welch Glücksfall! Er erklärt, dass die Flut jeden Tag aufs Neue ein Stück der Steilküste abträgt, „wäscht“ und wieder anspült. Wenn dann die Ebbe kommt, sind am Strand mit etwas Geduld die tollsten Fossilien zu finden. Ammoniten, Belemiten,.. die Familie ist so begeistert, dass wir verlängern, um noch einen weiteren Tag die Ebbe abzuwarten. Nicht umsonst. Wir zeigen anschließend unsere Funde im Visitor Center mit kleinem Museum und dürfen alles mit nach Hause nehmen. Man benötigt keinerlei Ausrüstung. Nur etwas Geduld, ein gutes Auge, einen Gezeitenplan und Kleidung, die für ein Abenteuer bereit ist.Abends stärken wir uns im örtlichen Pub. Ungewohnt ist, dass man direkt am Tresen bestellt, Essen sowie Trinken, und sofort bezahlt, aber nachdem wir mal soweit vorgedrungen sind, läuft es. Leckeres Essen, besonders das Indische und ein gemütlicher Abend nach all den urzeitlichen Abenteuern.

Tintagel, Cornwall

Ein Stück Weg liegt vor uns, und da die Urlaubszeit begrenzt ist, entschließen wir uns, einiges auszulassen, um King Arthur noch einen Besuch abzustatten sowie den Surfstränden nahe Newquay. Die Straßen werden immer enger, bis letztlich 1 spurig, am Rand von Mäuerchen und Hecken begrenzt. Für größere Fahrzeuge empfiehlt es sich, im Vorfeld bei einer Tankstelle eine regionale Straßenkarte zu erstehen, auf der die „Hauptstraßen“ unter den einspurigen Pisten auszumachen sind.

Vom ehemaligen Tintagel Castle sind nur noch Grundmauern übrig, und was es mit der Sage um King Arthur auf sich hat bleibt der Geschichte vorbehalten. Auf jeden Fall befinden wir uns an einem mystischen Ort voller Naturschönheit und atemberaubender, wilder Küstenlandschaft. Und sitzen wieder mal bei Englischem Theater zwischen den alten Mauern auf dem Rasen. Bei Sonnenschein!

Holywell Bay, Cornwall

All die tollen Eindrücke wollen aber auch verarbeitet werden. So steuern wir eine Ferienanlage nahe Newquay in der Holywell Bay an und wollen noch zwei Tage die Seele baumeln lassen.

Hier warten allerdings so viele Angebote auf Erholung suchende Urlauber, dass es mit der Ruhe wieder nichts wird. Die riesigen Dünen auf dem Weg zum Strand müssen einfach erklettert werden, der South West Coast Path Wanderweg lädt zu ausgiebigen Spaziergängen ein, und der örtliche Surfshop verleiht Bretter zum Wellenreiten. Nur Hartgesottene baden hier bei Miami Beach Wellen ohne Wetsuit. Die Surfer Szene stellt sich wagemutig den Herausforderungen. Und wer nicht selbst zum Brett greift, der sitzt doch wie gebannt am Strand und beobachtet das Treiben.Oder spielt oberhalb der Dünen mit traumhaftem Ausblick aufs Meer mit der Familie eine Runde Golf.

Steinkreise von Avebury, südlich von Swindon

Die Zeit verfliegt und die Heimreise naht. Doch Moment! Uns fehlen noch die Hinkelsteine und Steinkreise. Wir entscheiden uns gegen Stonehenge und für einen etwas weniger überlaufenen Ort, Avebury. Hier wandern wir vorbei an grasenden Schafen durch die großen Steinfelder. Das Kontrastprogramm überzeugt uns. Und die wirklich freundlichen, offenen Engländer ebenso. Nicht gerechnet haben wir morgens mit frischem Baguette, Croissants, Pains au chocolat,.... welche schmecken wie in Frankreich. Unglaublich! Die zahlreichen Fastfoodketten haben wir gemieden, denn die Auswahl an Obst, Gemüse... im Supermarkt ist einwandfrei. Also verpflegungstechnisch gibt es auch keinen Grund zu klagen.

Canterbury

So fahren wir sehr zufrieden, wenn auch wehmütig zurück gen Osten und machen noch einen ausgiebigen Stop in Canterbury. Dominiert von seiner prächtigen, geschichtsträchtigen Kathedrale (um 17.30 Uhr (an Wochenenden 15.15 Uhr) Gratiseintritt zum Evensong mit Chor) hat Canterbury eine tolle Altstadt mit verwinkelten Gässchen und guten Einkaufsmöglichkeiten. Zur Entspannung gibt es dann eine Historic River Tour mit Stocherkahn unter Weiden, auf der von Geoffrey Chaucer, Christopher Marlowe und William Shakespeare berichtet wird.

Unterkünfte

Unterkünfte sind in England im August Mangelware. Daher Bed & Breakfasts, Hotels und sogar Campingplätze unbedingt vorab buchen. Zu empfehlen sind die verschiedenen, sehr bequemen Rundreisevorschläge unserer Veranstalter, die für eine vorgegebene Route (mit eigenem Fahrzeug oder Mietwagen) jeweils die gewünschte Hotelkategorie oder Pension bereithalten. Damit hat man am Ende eines ereignisreichen Tages immer ein Domizil, an dem man bereits erwartet wird. Äußerst stressfrei!

Nach dem Feiertag „Summer Bank Holiday“ (letzter Montag im August) wird es überall erheblich ruhiger. Dafür ist dieses verlängerte Wochenende aber nochmals Grund zum Familienausflug in ganz England. Es handelt sich also um das meistgebuchte Wochenende (Sa - Mo) der ganzen Saison. Entsprechend ausgebucht sind die Unterkünfte.

Unser Fazit

England ist trotz der Entfernung auch im eigenen PKW absolut eine Reise wert. 2 Wochen waren für die Route kurz, 2,5 bis 3 Wochen wären optimal gewesen. Links fahren war ab dem zweiten Tag Routine, das Essensangebot inklusive Afternoon Tea und Englischem Frühstück wirklich reichlich und für jeden etwas dabei.

Schlechtes Wetter? Es gibt offensichtlich auch sehr sonnige Zeiten, wohltemperiert, und insgesamt so viel zu sehen. England – wir waren begeistert!

Bilder von: Claudia Wartenberg

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